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Wie steht der Landkreis zur Kreismusikschule?

2026 01 29 KMS Verena Lehner w

 

Die Kreismusikschule in Mitterfels: Sie besteht seit 35 Jahren und hat so viele Schüler wie noch nie. Foto: Verena Lehner

Pläne für eine Fusion von Kreismusikschule und VHS im Netz 

Diese Frage und noch einige weitere lässt eine Präsentation aufkommen, die kürzlich im Netz kursierte. Darin sind Pläne für eine Fusion von Kreismusikschule und VHS skizziert.

Will der Landkreis die Kreismusikschule und die Volkshochschule (VHS) zusammenlegen? Wie konkret sind diese Planungen? Was verspricht sich der Landkreis davon? Und was sagt das darüber aus, wie der Landkreis zu seiner Musikschule steht? Es sind Fragen über Fragen, die eine Präsentation aufwirft, die über mehrere Wochen im Netz online einsehbar war. Sie skizziert, wie genau eine Fusion der beiden Einrichtungen aussehen könnte, auch ein Zeitplan zur Umsetzung ist darin bereits festgelegt. Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt, was es mit diesen Plänen auf sich hat.

Es ist tatsächlich ein Zufallsfund, denn eigentlich sollte die Netzrecherche unserer Zeitung einem ganz anderen Thema dienen. Darin sollte es zwar auch um die Kreismusikschule Straubing-Bogen gehen, aber in einem ganz anderen Kontext. Umso überraschender ist es, als bei den Suchergebnissen plötzlich eine Präsentation auftaucht, erstellt auf einer Online-Plattform, in der teils detaillierte Planungen aufgeführt sind, wie eine mögliche Fusion der beiden Institutionen aussehen könnte. Ein paar Auszüge:

Was die Präsentation grundsätzlich aussagt: „Fusion der Musikschule mit der Volkshochschule – Diskussion über mögliche Organisationsformen und deren Auswirkungen“ – so lautet der Titel der Präsentation, die offen im Internet einsehbar war. Weiter heißt es darin, dass diese Präsentation die zentralen Punkte darlegen soll, die für die Diskussion über die Fusion der VHS mit der Kreismusikschule relevant sind.Auch ein grober Zeitplan ist darin bereits ersichtlich. So sollte noch im Herbst vergangenen Jahres ein Absichtsbeschluss des Landkreises gefasst werden, um die Art des Zusammenschlusses festzulegen. Anfang dieses Jahres sollte ein detailliertes Konzept zur Umsetzung der Fusion durch die VHS-Geschäftsführung erstellt werden und bereits im September dieses Jahres dann sollte die Integration bereits abgeschlossen sein.

Wie eine Fusion laut Präsentation aussehen könnte: Grundsätzlich soll laut diesem Dokument die Kreismusikschule in die VHS integriert werden. Wörtlich heißt es: „Diese Maßnahme zielt darauf ab, eine effizientere Zusammenarbeit und einen optimierten Betrieb zu gewährleisten, während die musikalischen Angebote weitgehend erhalten bleiben.“ Die Kreismusikschule könne in die gGmbH der VHS integriert werden, dazu sei lediglich eine Satzungsänderung notwendig. Der Name „Musikschule“ solle für die Außenwirkung erhalten bleiben. Welche Vorteile in der Präsentation aufgeführt werden: Als Vorteile sind vor allem Ressourceneinsparungen genannt. Wörtlich heißt es: „Verwaltungs- und Führungstätigkeiten können optimiert werden, indem Aufgaben zusammengelegt werden, was die Effizienz steigert und Ressourcen spart.“ Weiter: „Das Weiterbestehen der Kreismusikschule in der VHS-gGmbH erhält die etablierten Strukturen weitgehend und ermöglicht gleichzeitig eine schrittweise Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.“

Landratsamt kann dazu noch keine Details nennen

Auch wenn es sich bei der Online-Präsentation offensichtlich lediglich um Vorplanungen handelt, wirft sie doch die Frage auf, wie der Landkreis tatsächlich zu seiner Kreismusikschule steht und wohin der Weg mit ihr gehen soll. Deshalb hat unsere Mediengruppe eine Anfrage an das Landratsamt geschickt. Wir wollten unter anderem wissen, wie konkret die Planungen wirklich sind, welchen Vorteil man in einer Fusionierung mit der VHS sieht, was genau an den derzeitigen Strukturen in der Kreismusikschule optimiert werden muss und ob es bereits konkrete Berechnungen gibt, wie hoch das Einsparpotenzial bei einer Fusion tatsächlich wäre.

Keine konkrete Aussage seitens der VHS-Leitung

Genaue Antworten darauf konnte Landratsamtspressesprecher Tobias Welck darauf allerdings nicht geben. „Diese Thematik befindet sich bisher im nicht öffentlichen Teil der Beratungen der Kreisgremien. Insofern können wir dazu derzeit nicht detailliert Stellung nehmen“, schreibt er in der Antwort-E-Mail. Es lasse sich lediglich allgemein sagen, dass geprüft und überlegt werde, inwiefern es Synergien durch Zusammenschlüsse von Verwaltungseinheiten gibt und welche Möglichkeiten der Vereinfachung, Effektivität und Einsparung es dadurch gebe. „In jedem Fall soll und wird es aber auch weiterhin zum Beispiel einen musikalischen Leiter der Kreismusikschule geben“, so Welck. In der Präsentation heißt es, dass die VHS-Geschäftsführung ein detailliertes Konzept für eine mögliche Fusion erstellen soll. VHS-Geschäftsführer Robert Dollmann erklärt auf Nachfrage, dass zu der ganzen Sache seinerseits noch keine konkrete Aussage möglich sei, da weder Konzeptionsphase noch Meinungsfindungsprozess abgeschlossen sei. Grundsätzlich stehe er der Sache neutral gegenüber, eine Fusion sei grundsätzlich möglich, um die Bildungsangebote des Landkreises unter einem Dach zusammenzuführen. Welche Synergien erzielt werden könnten und welche Auswirkungen dies gegebenenfalls für die VHS hätte, hänge von der Ausgestaltung der Umsetzung ab.

Kreismusikschulleiter Andreas Friedländer bat bei einer Anfrage unserer Mediengruppe um Verständnis dafür, dass er sich zu dieser Thematik bis dato nicht äußern möchte. Er wollte etwaige Pläne für eine Fusion mit der VHS weder bestätigen noch dementieren.

Die Präsentation mit den Fusionsplänen ist im Übrigen mittlerweile nicht mehr im Internet zu finden. Sie ist rund vier Wochen nach der Anfrage unserer Mediengruppe an das Landratsamt aus dem Netz verschwunden.

Kommentar

Ein riesiger Rückschritt

Sieht man sich die Präsentation über eine mögliche Fusion der Kreismusikschule und der VHS, die einige Wochen durch das Internet geisterte, genau an, wird klar, dass es sich dabei noch nicht um ein ausgegorenes, detailliertes Konzept, sondern lediglich um Vorplanungen handelt. Das vorweg. Sieht man sich die Präsentation noch genauer an, dann wird aber auch klar: Eine Umsetzung dieser Pläne wäre für die Kreismusikschule fatal und ein riesiger Rückschritt.

Es ist vor allem ein Wort in dieser Präsentation, das immer wieder vorkommt und einen stutzig werden lässt: „weitgehend“. Die bestehenden musikalischen Angebote sollen „weitgehend“ erhalten bleiben. Das Weiterbestehen der Kreismusikschule in der VHS-gGmbH erhält die etablierten Strukturen „weitgehend“. Dazu kommen Sätze wie „effizientere Nutzung der Ressourcen“ oder „schrittweise Verbesserung der Wirtschaftlichkeit“. Auch dass die Bezeichnung „Musikschule“ für „die Außenwirkung“ erhalten bleiben soll, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Das hört sich ein wenig nach dem Prinzip an: Am Anfang soll erst einmal alles so bleiben, wie es ist, und dann schaut man mal, wo gespart werden kann. Diese Szenarien kennt man aus der Wirtschaft nur zu gut.Und genau hier liegt das Problem: Dass in Zeiten klammer Kommunen freiwillige Leistungen immer wieder auf den Prüfstand kommen, war schon immer so und ist auch nachvollziehbar und legitim. Dass es bei Einsparungen in diesem Bereich allerdings immer wieder zuerst die Kultur trifft und eine Einrichtung wie die Kreismusikschule nach Prinzipien der Wirtschaftlichkeit bewertet wird, ist der völlig falsche Ansatz. Die effiziente Nutzung einer Musikschule lässt sich nicht an Bilanzen und Zahlen festmachen. Der Nutzen einer solchen Einrichtung greift tiefer. Viel tiefer.

Guter Musikunterricht und gemeinsames Musizieren kann Lebensläufe von Kindern und Jugendlichen verändern, kann Halt geben, wo sie sonst vielleicht keinen finden, kann das Selbstbewusstsein stärken, das ihnen im starren Schulsystem vielleicht genommen wird, kann Struktur und Entschleunigung für Kinderköpfe (und auch Erwachsene) bieten, für die sich die Welt in unserer überdigitalisierten und reizüberfluteten Welt immer schneller dreht. Kurzum: Musik trägt dazu bei, junge Menschen resilient und stark zu machen. Von dem durch Studien belegten Nutzen für Gehirnentwicklung und Konzentrationsfähigkeit ganz zu schweigen.

Die Kreismusikschule kann das alles bieten, denn sie steht seit mehreren Jahrzehnten für eine qualitativ hochwertige musikalische Ausbildung durch gut ausgebildete Musikpädagogen. Und sie funktioniert. Sie hat so viele Schüler wie noch nie, bietet ein umfangreiches Spektrum an Instrumenten und ist fester Bestandteil der Kulturszene und Aushängeschild für den Landkreis. Mit einer Integration in die VHS könnte der schleichende Tod der Kreismusikschule eingeleitet werden – und damit der Niedergang einer nicht nur kulturell, sondern auch sozial wichtigen Einrichtung. Denn sie verliert dadurch ihr Alleinstellungsmerkmal. Das wiederum lässt die – zugegeben provokanten – Fragen aufkommen: Warum dann das Ganze? Warum wurde erst 35 Jahre lang eine Kreismusikschule aufgebaut, um sie dann auf ihrem Zenit doch in die VHS zu integrieren? Wären die Einsparungen tatsächlich so groß, dass sie es wert sind, ihr das Prestige und die Qualität dieser Einrichtung zu opfern?

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Entscheider in den entsprechenden Gremien diese Fragen ebenfalls stellen und es in dieser Angelegenheit tatsächlich nur bei Überlegungen bleibt, die lediglich einmal ein paar Wochen in Form einer Online-Präsentation durchs Internet gegeistert sind.  

Verena Lehner/BOG Zeitung vom 29. Januar 2026